Katalogbeiträge in Auszügen von Ulrike Spranger, Sabine Heilig Tonspur 1998, Museum für neue Kunst, Freiburg im Breisgau

Ulrike Spranger, 1998,

Die Kunst zu hören

…. Einschränkender, aber auch grundsätzlicher als in vielen Untersuchungen zu Thema stellt sich für uns am Ende unserer Nachforschungen die Beziehung zwischen Musik und bildender Kunst dar: abseits der strukturellen Beziehungen spielt Musik eine wichtige Rolle im schöpferischen Prozess. Mancher mag die in den Briefen bezeugte Beschränkung auf die “überraschungsfreien Tonwelten” (Sloterdijk) altbekannter Highlights aus Klassik und Jazz belächeln und die oft beschriebene unendliche, fast narkotisierende Wiederholung eines Stückes beklagen. Das Vertraute zu hören scheint als ein “Stück geliehener Geborgenheit” (Jens Kunik) oft der notwendige Gegenpol zur Herausforderung der Situation…

Sabine Heilig, 1998,
Zwischen Inspiration und Imagination
Eine Briefcollage zur Musik in der bildenden Kunst

… Musik für Hösel beinahe wie das Mobiliar des Atelierraums, für Jens Kunik (S.123) “ein Stück geliehener Geborgenheit”, ist Teil des ganzheitlichen Erfahrungsschatzes. Der Mensch umgibt sich gerne mit Dingen, die ihm vertraut sind und ihm dadurch ein Gefühl der Sicherheit geben…

…Warum also Musik benutzen? fragt Jens Kunik in seinem Brief, wenn die Wahrnehmung akustischer Reize durch ein konzentriertes Sich-Versenken in einen Arbeitsvorgang ausgeblendet werden kann.

Jens Kunik, Brief vom 28.04.1998

Zunächst einmal: ich höre Musik beim Malen. Ich besitze eine begrenzte Zahl von ca. 30 Tonträgern, was zur Folge hat, daß ich jedes Musikstück in- und auswendig kenne … Da die Musik mir so vertraut ist muß ich sie nicht bewußt hören … Es gibt leichte melodische Musik, die oft am Anfang einer Malnacht steht. abgelöst von schwermütigeren Sachen wie z.B. Tom Waits, gut für komplizierte Ausführungen auf der Leinwand. Gegen den frühen Morgen, bei Erschöpfung oder zur Bewältigung größerer Flächen wird die Musik meist lauter und aggressiver. Sie puscht und treibt mich zur Leinwand … Die fertigen Bilder werden tagsüber einer abschließenden Beurteilung unterzogen. Dabei kommt neben dem Tageslicht der Musik die Rolle einer Kontrollinstanz zu, als ‘abstraktes künstlerisches Medium’ ist sie ein guter Indikator für ‘schlechte Stellen’ im Bild. Abgesehen von der Aufgabe, Energien zu lenken oder zu mobilisieren, übernimmt die Musik die glaube ich, wichtigere Aufgabe: Sie schafft Raum, sie grenzt das Atelier zusätzlich zur Außenwelt ab. So findet man in der vertrauten Musik ein Stück geliehener Geborgenheit.

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